Torwartschule Peter Rasch: Ohne Ehrgeiz klappt es nicht mit dem Profifußball

 

Er spielte selber in Polen in der 3. Liga und ist seit Jahren Torwarttrainer bei Hannover 96. Mit seiner eigenen Torwartschule gibt Peter Rasch jungen Torhütern die Möglichkeit, später ganz oben mitspielen zu können.

Seit mittlerweile vier Jahren gibt es die Torwartschule. Damals startete Peter Rasch noch mit sechs jungen Torhütern. Heute ist die Nachfrage bereits so groß, dass er vielen Nachwuchs-Torhüter absagen muss. Doch wie kommt diese enorme Entwicklung zustande?

"Als 96-Trainer habe ich früher viele Lehrgänge besucht und bin dadurch viel rumgekommen", sagt Rasch. "Als ich dann einmal in Stuttgart war, wurde ich oft gefragt, warum es denn keine Schule in Hannover gibt. Daraufhin habe ich mir dann überlegt, es einfach zu machen, und so ist es dann entstanden."


Stina Johannes, Torhüterin & U17-Europameisterin


Durch ein 3:4 in Bückeburg kam er zu Hannover 96

Die Geschichte, wie er zu Hannover 96 gekommen ist, kennt Peter Rasch noch sehr gut: "Als mein Sohn Roland Rasch 2002 zur B-Jugend von 96 gewechselt ist, habe ich als Vater natürlich immer zugeguckt. Seine Mannschaft hat einmal in Bückeburg mit 3:4 verloren und alle Gegentore waren Torwartfehler. Bei der anschließenden Torwartdiskussion haben sie mich gefragt, ob ich denn nicht bei 96 das Torwartraining mitübernehmen könnte. Zu der Zeit gab es nämlich nur einen einzigen Torwarttrainer im Verein. Mit der Zeit habe ich dann immer mehr Mannschaften von 96 betreut und heute bin ich Torwartrainer für mehrere U-Teams."

Und dieses Wissen gibt er seinen jungen Torhütern weiter. Seine Torwartschule ist die einzige in Hannover und gleichzeitig die größte im ganzen Norden. Über 60 Torhüter im Alter von neun bis 25 Jahren lassen sich mittlerweile von Rasch trainieren und die Nachfrage ist riesig: "Ich bekomme fast jeden Tag Anfragen von Spielern und Eltern, dass ich sie (bzw. ihre Kinder) trainieren soll. Aber ich kann halt nicht jeden betreuen", sagt der mittlerweile 49-Jährige. Unter seinen Schützlingen befinden sich auch mehrere bekannte Gesichter. So trainierten etwa U15-Nationaltorhüterin Stina Johannes und Sascha Algermissen, der bereits ein Probetraining bei Schalke 04 absolvierte, bei Rasch. "Acht Leute haben es bereits zu größeren Vereinen geschafft. Fünf sind bei Hanover 96 gelandet und jeweils einer bei Werder Bremen, VfL Wolfsburg und Energie Cottbus.

Timo Königsmann, SpVgg Greuther Fürth


Ehrgeiz ist am wichtigsten

Das wichtigste, was ein junger Torhüter haben muss, ist für Peter Rasch der Ehrgeiz: "Ohne einen gewissen Ehrgeiz kann kein Torwart es schaffen. Heutzutage muss ein Torwart viel mehr beherrschen als zu Sepp Maier-Zeiten. Er muss den Raum zudecken, er muss offensiv spielen können, er braucht die richtige Schusstechnik. Ohne einen gewissen Ehrgeiz und Disziplin kann man all das nicht beherrschen."

In den letzten Jahren hat sich allerdings gezeigt, dass Torhüter, vor allem in Hannover, besser geworden sind: "Allgemein kann man sagen, dass sich das Torhüterniveau gesteigert hat. Bei Spielen in verschiedenen Ligen sieht man immer wieder sehr gute Torhüter, die auf einem sehr guten Weg sind."

"Man soll sie wie Hannoveraner Pferde erkennen"

Beim Training selbst hat Rasch eine klare Philosophie: "Beim Training sollen alle Torhüter gleich sein. Alles muss passen. Wenn etwas nicht richtig klappt, dann mache ich auch schonmal individuelles Training, um die Schwächen auszugleichen." Und diese "Gleichheit" kann man sehr gut erkennen. So waren vor einiger Zeit D-Junioren, die in Peter Raschs Torwartschule waren, auf einem Turnier in Dänemark. Dort hat ein Trainer bemerkt, dass alle Torhüter genau gleich agieren. Das trifft Raschs Philosophie: "Man soll erkennen, dass alle in der Schule waren. Ähnlich wie bei Hannoveraner Pferden soll man überall erkennen, dass es genau diese sind."

Bei der Organisation seiner Schule steht ihm sein Sohn Roland tatkräftig zur Seite. "Roland hilft sehr viel, hat viel Erfahrung und kümmert sich um Organisation, Anfragen, Sponsoren, etc. Ohne ihn würde ich das nicht schaffen."

Konkrete Tipps für junge Keeper?!

Doch was sollte man tun, wenn man noch jung ist und ein erfolgreicher Torwart werden will? "Auch mit wenig Qualität kann man ein großer Torwart werden", sagt Rasch "Hauptsache, man bleibt am Ball. Mit der richtigen Einstellung und genügend Disziplin kann man sehr viel erreichen. Man muss aber auch für seine Ziele kämpfen und arbeiten."

Videos aus seinem Training könnt ihr hier anschauen.

 


 

 

Trainer-Workshop Tettnang: Ein besonderes Angebot
Ein Bericht von Artur Stopper, goalguard.de

 

Eine für Trainer und speziell für Torwarttrainer interessante Veranstaltung findet am Freitag, den 10.11., und Samstag, den 11.11.17, in Tettnang am Bodensee statt. „Empen für Vereine“ hat mit Unterstützung von AIR-Body den ersten Bodensee-Fußball-Workshop auf die Beine gestellt, durch den die Teilnehmer vielfältige Anregungen für ihre Trainertätigkeit mit nach Hause nehmen sollen. Neben der Vermittlung von theoretischem Wissen spielt die praktische Umsetzung bei dieser Veranstaltung eine vorrangige Rolle.

Ablauf der Veranstaltung

Der Freitagnachmittag steht ab 15 Uhr im Zeichen der theoretischen Beiträge, kombiniert mit anschließenden praktischen Teilen. Der erste Referent ist Thomas Schlieck, TW-Koordinator bei Borussia Dortmund. Der 47-Jährige gilt in Fachkreisen als absoluter Experte im Torwartbereich. Reichlich Erfahrung sammelte er als TW-Trainer beim damaligen Bundesligisten Arminia Bielefeld (1999-2011) sowie in seiner Funktion als Torwart-Koordinator bei Schalke 04, RB Leipzig und nun bei Borussia Dortmund. Bei dem Workshop in Tettnang wird Schlick das Konzept Borussia Dortmund vorstellen. Er zeigt, wie der Torwartbereich beim BVB strukturiert ist und nach welchen Leitlinien und Prinzipien die Torhüter in Dortmund ausgebildet werden. Anhand von ermittelten Daten macht er anschaulich, wie sowohl das Training als auch das Spiel bei den Borussen analysiert werden. Im anschließenden praktischen Teil stellt er einige Übungen vor, mit deren Hilfe man Torhüter in der Raumverteidigung verbessern kann.

Den zweiten Teil des Nachmittags bestreitet Dennis Neudahm von der Nachwuchs-Abteilung der TSG Hoffenheim. Der 30-jährige Torwarttrainer der U16/17 des Bundesligisten, der seit 2012 hauptamtlich bei den Kraichgauern arbeitet und dessen Vertag erst im vergangenen Jahr bis 2020 verlängert wurde, stellt zunächst einmal im theoretischen Teil seine Philosophie und Arbeitsweise vor. Im anschließenden Praxisteil befasst er sich mit dem Thema Schritttechniken und Beinarbeit im Torwartspiel. Mit einer Podiumsdiskussion, möglicherweise mit einem Überraschungsgast, und einem gemütlichen Ausklang geht das Workshop-Programm am Freitag zu Ende.

Der Samstag steht ganz im Zeichen der Praxis. Um 9 Uhr beginnt die Veranstaltung mit dem Thema „Integration des Torhüters ins Mannschaftstraining“. Roland Rasch aus der Fußballschule von Hannover 96 wird nach einer kurzen theoretischen Einführung auf dem Platz Übungen zeigen, wie die Torhüter sinnvoll ins Mannschaftstraining integriert werden können. Am Beispiel Torabschluss macht er deutlich, wie herkömmliche Übungsformen wenig zur Schulung des Torhüters beitragen, weil sie oft nicht spielnah sind. Mit an dem Spiel ausgerichteten Übungsformen stellt er Trainingsformen vor, wie spielnahes Torabschlusstraining aussehen könnte. Ein besonderes Highlight bieten die Veranstalter im Nachmittagsprogramm des Workshops an. Die Referenten Thomas Schlieck und Dennis Neudahm bieten interessierten Torwarttrainern die Möglichkeit, ihre Torhüter, die sie zur Veranstaltung mitbringen, zu analysieren und ihnen wertvolle Tipps und Anregungen für ihre weitere Arbeit mit auf den Weg zu geben. Außerdem können Torwarttrainer oder Interessierte mit ihren Schützlingen an verschiedenen Stationen Trainingshilfen ausprobieren, wie z.B. die Strobobrille, das Filippi-Schild, die Schreinerschmid Wall, den Filippi-Push, die Fitlights und vieles mehr.

Fazit: Die Veranstaltung bietet die Möglichkeit, neben theoretischem Wissen vor allem viele Anregungen für die Trainingsarbeit in den Vereinen mitzunehmen. Nicht oft bietet sich die Chance, fachkundige Tipps vom anerkannten Experten zu erhalten. Diese Chance sollten sich deshalb Trainer und am Thema Interessierte nicht entgehen lassen!